Tagungsbericht Sprache Recht Gesellschaft

Jetzt erschienen in der JZ 2/2012, S. 86 ff. ist ein Tagungsbericht der Konferenz Sprache-Recht-Gesellschaft von Philipp Siedenburg.

Vom 14. bis zum 16. Juli fand im Gästehaus der Universität Hamburg, unter der Leitung von Prof. Dr. iur. Matthias Klatt, Dr. iur. Carsten Bäcker und Dipl.-Pol. Dipl.-Jur. Sabrina Zucca-Soest, die interdisziplinäre Konferenz “Sprache Recht Gesellschaft” statt. Auf drei Panels diskutierten fach-übergreifend Wissenschaftler über die Rolle der Sprache im Recht und, in Verbindung damit, in der Gesellschaft. Die Konferenz wurde von der Akademie der Wissenschaften in Hamburg mit € 15,000 gefördert.

Auszüge aus dem nun erschienen Bericht:

Das von Matthias Klatt geleitete zweite Panel brachte „Sprache und juristische Argumentation“ in Verbindung cytotec price usa. Es sollte geklärt werden, ob klare und unklare Fälle der semantischen Interpretation unterschieden werden können, ob die Bedeutung von Normen feststellbar sei oder stets eine Festsetzung vorliege und ob die Bedeutung von Normen innerhalb des Sprachspiels der juristischen Interpreten objektivierbar, d. h. intersubjektiv gültig sei.

Diesen Fragen stellte sich zunächst Christian Barth (Berlin), der mit der These eröffnete, dass die Determiniertheit der Bedeutung von Rechtsnormen mittels der Hegelianischen Schriften Brandoms nachgewiesen werden könne. Bedeutung sei als revidierbare Autorität der in der Vergangenheit erfolgten Sprachverwendung zu begreifen. Die jeweils beste bisherige Interpretation eines Gesetzestextes sei in diesem Sinne als dessen Bedeutung zu bestimmen. Eine kritische Prüfung der bisher besten Interpretation könne für die Zukunft zu einer abweichenden Bestimmung der Bedeutung des Normtextes führen.

[…]

Ulfrid Neumann (Frankfurt a. M.) betonte in seinem Beitrag die relative Selbständigkeit der Rechtssprache gegenüber der Umgangssprache, sowie der Rechtsphilosophie gegenüber der Sprachphilosophie. Die rechtstheoretische Analyse führe insofern zum Befund einer Funktionalisierung von sprachtheoretischen Objektivitäts- und Wahrheitsansprüchen im Recht.

[…]

Ekkehard Felder (Heidelberg) setzte in mehrerer Hinsicht einen Kontrapunkt. Die von den Vorrednern tendenziell bejahte Möglichkeit der Feststellbarkeit der Bedeutung des Gesetzestextes verwarf er. Erkenntnisse der linguistischen Semiotik hätten insofern ergeben, dass stets von einer Festsetzung der Normtextbedeutung auszugehen sei.

[…]

Matthias Kiesselbach (Berlin) nahm in seinem Vortrag und in der anschließenden Diskussion eine vermittelnde Position zur Frage der Feststellbarkeit der Bedeutung von Normtexten ein. Einerseits gründe der Wahrheitswert semantischer Urteile in intersubjektiv bindenden Gründen und sei daher sprechertranszendent. Andererseits diene das Vorbringen eines Urteils auch dem Signalisieren eigener sprachlicher Dispositionen und nehme so Einfluss auf das System der miteinander interagierenden Dispositionen innerhalb der Sprechergemeinschaft, aus denen sich die Richtigkeit oder Falschheit konkreter semantischer
Urteile ergibt.