Theorie der Wortlautgrenze

Klatt hat mit seiner Dissertation die Diskussion um die Wortlautgrenze auf ein neues Fundament gestellt. (…) wird hier in der deutschen Diskussion erstmals die neuere sprachphilosophischen Diskussion seit Anfang der 1990er Jahre umfassend ausgewertet. Dies geschieht auf höchstem Niveau und mit großem Geschick. Auf der Basis von zwei Ideen, der der Normativität und der der Objektivität, wird ein eigenständiges Modell der Bedeutung entwickelt. Dieses findet meisterliche Anwendung auf das Problem der Wortlautgrenze. Die Ergebnisse werden mit strenger Klarheit und großer systematischer Kraft in ein System gegossen. Es ist zu vermuten, dass dieses Werk die weitere Diskussion der rechtswissenschaftlichen Methodenlehre wie auch ganz allgemein die Diskussion über das Problem der Objektivität im Recht tiefgehend beeinflussen wird. (…) Die bedeutendsten Einwände gegen die Normativität der Bedeutung sind von Quine, dem wohl bedeutendsten Philosophen der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, erhoben worden. Kaum irgend etwas ist in der Philosophie des 20. Jahrhunderts so intensiv erörtert worden wie die behavioristische Bedeutungstheorie dieses amerikanischen Philosophen. Klatt bewältigt dieses Thema in einer an Schärfe, Klarheit und Tiefgang kaum zu übertreffenden Argumentation auf dreißig Seiten.

Robert Alexy, Universität Kiel

Bibliographische Daten

Matthias Klatt:

Theorie der Wortlautgrenze. Semantische Normativität in der juristischen Argumentation

Baden-Baden: Nomos 2004

313 S., Broschiert, 39,- €

ISBN 978-3-8329-0539-2

Inhalt

Wieviel Freiheit hat der Richter bei der Interpretation der Gesetze? Kann diese Freiheit durch den Wortlaut der Gesetze begrenzt werden? Diese Frage ist ein zentrales Thema der rechtswissenschaftlichen Methodenlehre und zugleich ein Problem, das sich in der täglichen Arbeit jedes Juristen stellt. Der Autor verteidigt die Wortlautgrenze gegen dekonstruktivistische Kritik. Robert Brandoms Making It Explicit (1994) wird erstmals auf juristische Grundlagenprobleme angewendet. Der Autor entwickelt ein System semantischer Grenzen, das über bisher bekannte Strukturen weit hinausgeht. Anhand dieser neuen Terminologie analysiert er Gerichtsurteile aus der Praxis. Gegen den Skeptizismus wird die These, dass juristische Argumentation objektiv sein kann, verteidigt.

Die Arbeit wurde mit dem European Award for Legal Theory 2002 ausgezeichnet. Sie richtet sich an rechtstheoretisch und sprachphilosophisch Interessierte sowie praktisch tätige Juristen, die von der großen Zahl an Beispielsfällen profitieren.

Das Werk ist Teil der Reihe Studien zur Rechtsphilosophie und Rechtstheorie, Band 38.

Rezensionen

  1. Sieckmann, Jan-Reinard. “Book Review: Klatt, Matthias: Theorie Der Wortlautgrenze.” Argumentation 19 (2005): 509-18.
  2. Sieckmann, Jan-Reinard. “Literaturbericht: Sprachphilosophie und Juristische Interpretation.” Archiv für Rechts- und Sozialphilosophie 91, no. 1 (2005): 114-20.
  3. Pawlowski, Hans-Martin. “Rezension ‘Klatt, Theorie der Wortlautgrenze’.” Zeitschrift für Rechtsphilosophie, no. 2 (2005): 89-92.
  4. Winkler, Markus. “Rezension: Klatt, Theorie der Wortlautgrenze.” Juristenzeitung  (2005): 940.
  5. Lahusen, Benjamin. “Justitia in Babylon? Neues Von Sprache und Recht.” Review of Klatt, Wortlautgrenze. Rechtsgeschichte 8 (2004): 189-209.

Weitere Informationen

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Matthias Klatt’s doctoral dissertation was published in September 2004. It received the European Award for Legal Theory 2003.

Theorie der Wortlautgrenze

Semantische Normativität in der juristischen Argumentation

2004, 313 S., Broschiert, 39,- €
ISBN 978-3-8329-0539-2

This thesis investigates the significance of Making It Explicit by Robert Brandom for legal theory. Brandom’s philosophy of meaning is transferred over to legal interpretation. The focus of attention is whether the meanings of a norm can serve to bind legal interpretation. In German legal methodology, the argument from possible meaning of the formulation of a norm is used to distinguish two forms of the application of law, namely interpretation and further development of the law. This distinction is most important for legislative supremacy and democratic values, i.e. separation of powers and the protection of the interests of those who rely on the meaning of a norm. Closely related to those issues are the questions of the determinacy of law and the objectivity of law. However, the criterion of possible meaning is criticized sharply by appeal to arguments from the philosophy of meaning.

This criticism is countered here by the thesis of three dimensions of meaning. Meaning is normative, it refers to objects, and it is intersubjective. In each of these dimensions, limits of meaning exist. In this thesis, a system of semantic limits is developed and illustrated by an analysis of decisions of German Federal Courts. It is shown that the criterion of possible meaning is a valid one. The claims of the determinacy of law and of the objectivity of law are also confirmed as far as arguments from semantic indeterminacy are concerned.

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